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Ein kulinarischer Streifzug-China in fünf Gängen

Iss nicht um zu leben, lebe um zu essen! – China bietet ein unwiderstehliches Urlaubsmenü

Kunstvoll balanciert die kleine Kellnerin hohe, schwankende Türme vor sich her. Dämpfkörbchen aus Bambus voll mit Jiaozi, einer Art Ravioli. Klassisch gefüllt mit Schweinefleisch, Rind, Lamm oder einer Drei-Leckerbissen-Farce aus Fleisch, Garnelen und Eiern. Oder vegetarisch mit Gemüse, Glasnudeln, Bambussprossen oder Pilzen. In eine Soße aus schwarzem Essig, Knoblauch und Chiliöl getunkt, isst man Jiaozi traditionell am Vorabend des Frühlingsfestes Chun Jie aber auch sonst fehlen sie bei keinem Festessen. Rund um Xian, dem Ausgangspunkt der Seidenstraße, wächst das Getreide für die, nicht nur hier in der Küche des Nordens beliebten Delikatessen. Im Jiaozi-Restaurant stärkt man sich für kulturelle Entdeckungstouren. Die weltberühmte Terrakottaarmee im nahen Qin Shihuangdi gehört dabei ebenso zum Pflichtprogramm, wie das Stelenwaldmuseum, Chinas bedeutendste Sammlung von Gedenksteinen mit Gesetzestexten, gerichtlichen Aufzeichnungen und philosophischen Sprüchen aus längst vergangener Zeit. Und ein Bummel über den Apothekermarkt, wo es all die geheimnisvollen Ingredienzien für ein langes, gesundes Leben gibt.

Lärmpegel und Ambiente erinnern an eine Bahnhofshalle, das Ambiente an eine Großkantine. Ein Sänger plärrt schmalzige Lieder. Zwischen Zuhören und Zuprosten werden Drahtkörbchen in brodelnde Brühe getaucht. Was sie zu Tage befördern, ist nicht uneingeschränkt nach dem Geschmack der wenigen Europäer, die in Chinas bevölkerungsreichster Stadt Chongqing den Feuertopf genießen. Ursprünglich mongolisch, sind die Speisen aus den beheizten Alutöpfen bis in die Provinz Sichuan verbreitet. Versteht sich von selbst, dass die Brühe, die eifrige Ober fortwährend aus riesigen Kesseln nachgießen, nach Art der Küche des Westens richtig scharf ist. Eingetaucht werden Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Innereien und Gedärm sowie unzählige Sorten von Gemüse. Ein paar davon erspäht man auf der Fahrt nach Dazu, wo an steilen Hängen uralte Tempel kleben. Doch nicht nur die Zutaten zum Feuertopf gedeihen vor den Toren Chongqings. Auch die scharfen Hackebeilchen, mit denen chinesische Hausfrauen wie Meisterköche ihre Leckereien in mundgerechte Stücke zerteilen, werden hier gefertigt. Schöne Mitbringsel für daheim, ehe man sich für die Fahrt auf den Yangzi einschifft und das bergige Chongqing mit dem spannenden Kontrast zwischen Altstadt und Wolkenkratzern verlässt.

Elf Tage später taucht die Silhouette Shanghais vor dem Kajütenfenster auf. Am Ufer ist Frühsport angesagt. Qi Gong und Tai Chi in der Morgendämmerung, während das einstige Fischerdorf im Yangzidelta erwacht. Aus dem Dorf wurde eine 17-Millionen-Stadt am Ostchinesischen Meer. Die Vorliebe für Fisch und Meeresfrüchte blieb. Eine besondere Delikatesse: Jakobsmuscheln mit Drachenbrunnentee. Mit Gemüse im Wok gebraten, verleiht der Tee dem Gericht seine Raffinesse. Nicht irgendein Tee, sondern der beste und berühmteste Grüne Tee Chinas. Angebaut in einem Tal der Gartenstadt Hangzhou im Südwesten Shanghais, wo man die dampfende Kostbarkeit am entspanntesten in einem der Teehäuser am Nordufer des West-Sees genießt, wie es schon Kaiser, Dichter und Schöngeister taten.

Heiß brutzelt das Öl im Wok in der Garküche in einer Seitenstraße von Guilin. Zeit für einen Imbiss. Kross gebratene Frühlingsrollen gibt es hier an jeder Ecke. Dass die knusprigen Teigröllchen mit deftigen Füllungen wie etwa Garnelen, Pilze, Sprossen und Gemüse in Europa so beliebt ist, liegt mit daran, dass die Kanton-Küche (die Küche des Südens) Chinas kulinarischer Export ist. Nicht jedoch die süße Variante mit Bohnen- oder Lotuskern-paste. Ob sie schon bei den Königen aufgetischt wurden, deren Gräber aus vorchristlicher Zeit der Hauptgrund sind die von Dichtergenerationen besungene Stadt zu besuchen? Am besten man fährt mit dem Fahrrad hinaus zu der stattlichen Anlage, um auf dem Weg der Seelen durch hübsche Pavillons und traumhafte Landschaft zu schlendern.

„Jiaozi isst man zur Begrüßung, Nudeln zum Abschied“, besagt ein altchinesisches Sprichwort, weil die langen Teigfäden nicht nur Langlebigkeit sondern auch die Verbundenheit über die Trennung hinaus symbolisieren. Und da bei einem chinesischen Essen traditionell die Suppe zuletzt aufgetischt wird, was läge näher, als der kräftigen Brühe neben Gemüse auch noch Teigwaren beizumischen. Zumal diese ihren Ursprung in Nordchina haben und erst mit Marco Polo nach Italien kamen. Natürlich schlürft man die Nudelsuppe auch am Pass von Jiayu Guan, wo ein mächtiges Fort den Endpunkt der Großen Mauer markiert. In der Ming-Zeit (im 14. Jahrhundert) endete hier die Große Mauer und wenngleich sich die Überreste des Schutzwalls heute in der Wüste verlieren, ist allein die Festung, in der einst 30.000 Soldaten stationiert waren, ein eindrucksvoller Anblick.

Heidi Siefert

Informationen:
Chinesisches Fremdenverkehrsamt, Ilken-hanstraße 6, 60433 Frankfurt,Telefon: 069/520135, Fax: 069/528490, E-Mail: info@china-tourism.de, Internet: www.china-tourism.de.
Chun Jie, der „Tag des ersten Mondes“ wird zwischen dem 22. Januar und 19. Februar gefeiert.
Literatur:
Mehr als nur ein Kochbuch: Liu Zihua und Uli Franz, Die echte chinesische Küche, GU.

 
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